Beschleunigung vs. Top Speed

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Beschleunigung vs. Top Speed

Gastpost von Sven Knipphals

Was bedeutet es eigentlich schnell zu sein?

Die meisten Laien denken, es ist wichtig sich so schnell wie möglich zu bewegen, aber das ist ein Trugschluss, denn es geht darum sich so schnell es geht zielgerichtet zu bewegen. Als Beispiel: Usain Bolt hat bei seinem Weltrekord 42 Schritte gebraucht um die 100m zu überqueren, während Christian Coleman bei seiner Bestleistung 52 Schritte gebraucht hat. Auch wenn Bolt im Vergleich der Rennen (9,58 Sekunden zu 9,82 Sekunden) schneller war, liegt die Schrittfrequenz von Coleman deutlich über der von Bolt, was bedeutet, dass Coleman sich wesentlich schneller bewegt als Usain Bolt.

Dieses Beispiel veranschaulicht, dass es beim Sprinten nicht darum geht deine Beine so schnell nur irgend möglich zum zappeln zu bringen, so wie es auch in vielen Youtube Videos beim “Training” mit der Speed Ladder zu sehen ist. Sondern, dass eine wohl koordinierte Schrittabfolge in Kombination mit maximalen Kraftübertrag in den Boden entscheidend ist um schneller zu sein. Für diese koordinierte Schrittabfolge gibt es keine Blaupause, da die individuelle Anatomie hier ausschlaggebend ist. Für die Optimierung des Kraftübertrags sind primäre Kraft-, Sprung- und Sprinttraining zuständig.

Die andere Seite der gleichen Medaille ist der Unterschied zwischen Beschleunigung und Topspeed. In der Leichtathletik gewinnt in der Regel der die 100m der die beste Top Speed hat, bei anderen Sportarten ist das anders, denn Topspeed wird erst ab ca. 30m erreicht. Vergleichsweise dazu liegt durchschnittliche Sprintdistanz im Fussball in der Englischen Premiere League bei 17m. In allen anderen Team Sportarten, ausser 7er Rugby, ist die Sprintdistanz noch kürzer, vor allem auf Grund des kleineren  Spielfelds. Somit ist der Top Speed hier nicht entscheidend. Die Beschleunigung ist das was den Spieler im Spiel schneller macht.

Der Unterschied zwischen Beschleunigung und Top Speed

In der Beschleunigung ist der Körperschwerpunkt Tief und der Oberkörper weiter vorne, ob nun beim Start aus dem Block oder beim Start aus dem Stand. Die Kraft des unteren Rückens spielt hier aus Sicht des Krafttraining eine große Rolle ebenso die Fähigkeit die Knie schnellstmöglich zu Beschleunigen. Des weiteren ist vor allem eine steifes Fußgelenk exorbitant wichtig.

Im Topspeed geht es weniger um Kraftproduktion als um ein effizientes Nutzen der Geschwindigkeit sowie ein effizientes Weiterleiten der Kräfte. Das bedeutet im Topspeed geht es darum so wenig Energie wie möglich zu verlieren. Der größte Verlust von Energie tritt beim Auftreten des Fußes auf den Boden auf. Allerdings nicht direkt über den Fuß sondern über das sogenannte Amortisieren im Kniegelenk. Sprich wie stark gibt das Knie des Sprinters nach wenn er den Boden berührt. Ein möglichst „steifes“ und damit stabileres  Knie ist einer der entscheidendsten Faktoren um schneller zu sein. So ist die Optimierung der Kniestabilität entscheidend um schneller zum werden.

Und dies ist nur ein wichtiger Punkt für das Training der Beschleunigung.

Beschleunigung und Top Speed visuell im Überblick 

Sowohl Beschleunigung als auch Top Speed hängen von diversen weiteren Punkten ab, wenn du mehr darüber lernen willst, ist das YPSI Sprint Seminar mit Sven Knipphals eine ausgezeichnete Gelegenheit dafür.

Bild: 100m Sprinter Sven Knipphals beim Start, der primären Phase der Beschleunigung.