Ein starkes Kreuzband durch Krafttraining

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Ein starkes Kreuzband durch Krafttraining

Pro Jahr reissen in Deutschland rund 80.000 Kreuzbänder. Das ist ein Kreuzbandriss alle 6,5 Minuten. Dies macht das Kreuzband zum bekanntesten Band des Kniegelenks. Da das Kniegelenk im Sport enormen Belastungen ausgesetzt ist, zählt es neben dem Schultergelenk zu den beiden verletzungsanfälligen Gelenken. Das Knie kann durch Gegner-Kontakt bei Sportarten wie Fußball, Eishockey und Handball oder ohne die Einwirkung eines Gegners wie beim Ski fahren verletzt werden. Weltweit geht man von weit über einer Million Kreuzbandrisse pro Jahr aus.

Was ist das Kreuzband?

Jedes Knie hat zwei Kreuzbänder, ein hinteres und ein vorderes. Grundsätzlich können beide Bänder reißen, allerdings treten Verletzungen des vorderen Kreuzbandes deutlich öfter auf. Sportunfälle sind hier die häufigste Ursache. Nicht selten werden dabei auch benachbarte Strukturen im Kniegelenk, wie etwa die Seitenbänder oder die Menisken, in Mitleidenschaft gezogen.

Die beiden Kreuzbänder kreuzen sich im Zentrum des Kniegelenks, wodurch sie ihren Namen haben. Die Hauptaufgabe besteht sekundär im Stabilisieren des Kniegelenks in der Rotation und bei Bodenkontakt in allen Sportarten die Rennen, Sprinten und Springen beinhalten. Besonders beansprucht werden sie bei schnellen Richtungsänderungen, in denen das stehende Bein fixiert ist und sich der Oberkörper bereits in eine andere Richtung bewegt.

Die Kreuzbänder sind faserartige Strukturen für deren Reissen erhebliche Kräfte wirken müssen. Das Kreuzband hat eine Reißfestigkeit von etwa 2400 kg. Die Reißfestigkeit des Kreuzbandes variiert jedoch: Vor allem bei Frauen ist der Durchmesser geringer, einer der Hauptgründe warum sie häufiger von Kreuzbandrissen betroffen sind. Studien haben ergeben, dass das Risiko bei Frauen zwei- bis achtmal so groß ist wie bei Männern. Dies hat mit dem schon erwähnten Verhältnis zwischen Oberschenkelvorder- und Rückseite zu tun, es gibt aber auch hormonelle Ursachen und eben auch anatomische Gründe.

Je dicker das Kreuzband desto besser

Ein primärer anatomischer Grund für Kreuzbandrisse ist die Dicke des Kreuzbands. Ein sehr interessanter Ausblick zum Thema Hypertrophie (dt. Verdickung der Kreuzbändern gibt eine Studie (1) von Grzelak et al aus dem Jahr 2012. Diese kam zu dem Ergebnis, dass Krafttraining die Dicke des Kreuzbands um bis zu 350% steigert. In dieser Studie wurde Dicke der beiden Kreuzbänder basierend auf MRT Bildern von Gewichtheber mit denen einen Kontrollgruppe verglichen. Das Ergebnis war ein signifikanter Unterschied. Die Studie war die erste wissenschaftliche Untersuchung, die die Hypertrophie der Kreuzbänder nachgewiesen hat. Ebenfalls wurde festgestellt, das je früher mit dem Krafttraining begonnen wurde, im Idealfall vor der Pubertät, desto größer war der Effekt der Stärkung der Kreuzbändern. Eine Interessante Hypothese der Studie in Bezug auf die Entwicklung der Kreuzbänder ist, dass die Arterie die die Kreuzbänder versorgt (Arteria genus media oder auch „mittlere Kniearterie“) sich im Laufe der Jugend zurückbildet und so die Versorgung der Kreuzbänder mit Nährstoffen bei Kindern und Jugendlichen deutlich besser gewährleistet ist.

Die Ergebnisse der Studie (1) hier:

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Ebenfalls führt die Studie als einer der Gründe für diese Hypertrophie der Kreuzbänder an, dass beim Gewichtheben des Knie mit hohen Widerständen über die maximale Beugung belastet wird. Diese maximale Beugung unter hohen Kräfte und die damit verbundene Dehnung der Kreuzbänder aktiviert die Fibroblasten, die die Hypertrophie der Bändern initiieren.

Die Studie zeigt deutlich das Krafttraining mit hohen Widerstand neben der Hypertrophie der Muskulatur auch eine Hypertrophie der Kreuzbänder zur Folge hat. Und bietet so einen interessanten Ausblick auf die Pre- und Rehabilitation von Kreuzbandrissen.

Viel Erfolg mit Krafttraining und der Hypertrophie der Kreuzbänder!

Referenz: 
(1) International Orthopaedics (SICOT) (2012) 36:1715–1719; Hypertrophied cruciate ligament in high performance weightlifters observed in magnetic resonance imaging; Piotr Grzelak & Michał Podgorski & Ludomir Stefanczyk & Marek Krochmalski & Marcin Domzalski; Received: 17 January 2012 / Accepted: 4 March 2012 / Published online: 25 March 2012 # The Author(s) 2012. This article is published with open access at Springerlink.com https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3535026/

Bild: MRT Bilder der Kreuzbänder (Quelle: siehe Referenz)

 

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