Fitness ist spezifisch

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Frederick Luethcke Bob Training

Fitness ist spezifisch

Ursprünglich veröffentlicht im Functional Training Magazin

Fitter zu werden ist das Ziel jedes Trainierenden. Die erste Frage, die sich stellt ist: Was ist fitter? Jeder definiert dies anders. Der simple Grund dafür ist: Fitness ist spezifisch. Insbesondere im Kontext mit Leistungssport weichen die Definitionen stark voneinander ab. Und damit auch das Training.

Fitter zu werden ist das Ziel jedes Trainierenden. Die erste Frage, die sich stellt ist: Was ist fitter? Jeder definiert dies anders. Der simple Grund dafür ist: Fitness ist spezifisch. Insbesondere im Kontext mit Leistungssport weichen die Definitionen stark voneinander ab. Und damit auch das Training. Ein Fakt, der zu oft vernachlässigt wird. Training ist die Adaption an einen bestimmten Stressor. Dieser Stressor muss direkt oder indirekt im Verhältnis zur gewünschten Leistung stehen.  Einfach ausgedrückt, wer einen Marathon laufen will muss laufen. Wer eine Etappe der Tour de France fahren will, muss Radfahren. Wer mehr Tore schießen will, muss mehr Fußball spielen.

Je unspezifischer das Training, desto unspezifischer die Leistung. Ein einfaches Beispiel aus dem Spitzensport ist der Vergleich der Bestleistungen von Ashton Eaton, dem 4-fachen Weltmeister, 2-fachen Olympiasieger und Weltrekordhalter im Zehnkampf und damit erfolgreichsten Zehnkämpfer aller Zeiten und somit einem sehr „fitten“ Athleten mit den Rekorden der US High School sowie dem Weltrekord. Bei der US High School ist zu beachten das dies nicht die Universität sondern ähnlich dem Gymnasium ist, sprich es sind 17- und 18-jährige Athleten, die diese Rekorde aufgestellt haben. Der Vergleich dieser Bestleistungen sieht wie folgt aus:

Vergleich: Bestleistung Ashton Easton / US High School Rekord / Weltrekord

100m Sprint: 10,21s / 10,01s / 9,58s

Kugelstossen: 15,40m / 20,65m / 23,12m

Hochsprung: 2,05m / 2,31m / 2,45m

Stabhochsprung: 5,05m / 5,57m / 6,16m

1500m: 4:14 Min. / 3:38 Min. / 3:26 Min.

Wie kann es sein, dass einer der herausragendsten und damit fitesten Athleten aller Zeiten, Ashton Eaton, vor allem gegen 17- und 18-jährige Schüler und natürlich auch gegen die besten Sportler der einzelnen Disziplinen so weit zurück fällt? Die Unterschiede sind gravierend. Auf Usain Bolt und den 100m Weltrekord verliert er knapp 10m, beim Kugelstossen sind es fast 8m Differenz und über 1500m verliert er eine komplette Runde auf der Bahn gegen den Weltrekordhalter.

Die zwei entscheidenden Gründe hierfür sind:

Mechanik und Anatomie

Struktur bestimmt Funktion – eine der wichtigsten Grundlagen aus anatomischer und damit mechanischer Sicht in Bezug auf Leistungssport und damit einem hohen Level an Fitness. So ist der Olympiasieger im Kugelstossen Randy Barnes mit einer Größe von 1,94m und einem Körpergewicht von ca. 132kg Ashton Eaton mit einer Größe von 1,85m und einem Körpergewicht von ca. 84kg in Punkto Maximalkraft, die für die Beschleunigung der Kugel entscheidend ist, einen großen Schritt voraus. Ein wichtiger Faktor, der auf 8m Differenz bei den Bestleistungen entscheidend ist. Über 1500m ist Doppel Olympiasieger Hicham El Guerrouj mit einer Größe von 1,76m und einem Körpergewicht von ca. 58kg in Punkto Laufmechanik und -effizienz einen großen Schritt voraus, der diese Differenz erklärt.

Neben weniger beeinflussbaren Faktoren wie Mechanik und Anatomie ist der zweite entscheidende und vor allem sehr beeinflussbare Faktor der:

Trainings-Fokus

Der Kugelstosser Randy Barnes trainiert ausschliesslich direkt und indirekt für das Kugelstossen, je nach Trainingsphase an 4 bis 6 Tagen pro Woche. Wie oft trainiert Ashton Eaton das Kugelstossen, kaum mehr als einen Tag pro Woche. Bei der Vielzahl der Disziplinen bleibt nicht mehr Trainingszeit übrig. 1500m Weltrekordhaltern Hicham El Guerrouj trainiert ebenfalls ausschliesslich für die 1500m. Während bei Zehnkämpfern wie Ashton Eaton es meist üblich ist diese Disziplin überhaupt nicht zu trainieren, da eine Verbesserung im maximalen Bereich dieser Leistung ein potentiell negativen Effekt auf alle anderen neun Disziplinen hat, die primär kurze explosive Leistung benötigen. Ebenfalls würde das für 1500m notwendige Trainingsvolumen zu viel Zeit und zu viel Regenerationsfähigkeit beanspruchen, was ebenfalls einen potential negativen Effekt auf die Leistung aller anderen neuen Disziplinen hat.

Im Umkehrschluss für das Training jedes Einzelnen veranschaulicht dies klar, dass neben Mechanik und Anatomie als Grundlage der spezifische Fokus des Trainings die entscheidende Rolle bei der spezifischen Anpassung ist.

Insbesondere im Kontext des Krafttrainings bedeutet das, wenn Du bei Klimmzüge besser werden willst, mach mehr und häufiger Klimmzüge anstatt Latzug. Wenn Du bei Kniebeugen besser werden willst, mach mehr und häufiger Kniebeugen anstatt Beinpresse und Beinstrecker. Wenn Du bei Kreuzheben besser werden willst, mach mehr und häufiger Kreuzheben anstatt einem halben Dutzend Assistenzübungen.

Viel Erfolg bei der Definition deiner Fitnessziele und dem darauf ausgerichteten Training!

Bild: Bob Athlet Fredrick Lüthcke beim Anschieben der Sommer-Version eines Bobs. 

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