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Ask the Coach #5 – Der Pygmalion Effekt

„Ask the Coach“ ist eine Kolumne in der Wolfgang Unsöld Eure Fragen beantwortet.

Frage:  „Hallo Wolfgang, ich habe ja schon einige Seminare bei Dir besucht und bin immer wieder begeistert welche Wege Du aufzeigst um bei sich selbst und bei Kunden Plateaus zu überwinden und mehr Fortschritt zu erzielen. Deshalb meine Frage, was ist Deiner Meinung nach einer der unterschätztesten Faktoren, den die wenigsten Trainer beachten, um Ihre Kunden zu mehr Erfolg zu führen?“ Markus S.

WU: Markus, das ist eine sehr gute Frage, die ich mir selbst schon sehr oft gestellt habe. Es gibt eine ganze Reihe von Faktoren, die meist unterschätzt werden. Einer der Wichtigsten, den ich immer wieder beobachte ist der Pygmalion Effekt.

Als Pygmalion-Effekt (Der Name basiert auf der mythologischen Figur Pygmalion) wird bezeichnet, wenn die vorweggenommene, positive Einschätzung eines Schülers – in unserem Fall Kunden –  wie etwa der Schüler/Kunde ist hochbegabt/hat eine sehr gute Genetik, durch einen Lehrer – in unserem Fall Trainer – sich im späteren Verlauf bestätigt. Dieses wird dadurch ermöglicht, dass der Lehrer/Trainer seine Erwartungen in subtiler Weise den Schülern/Kunden übermittelt, z. B. durch persönliche Zuwendung, die Wartezeit auf eine Antwort, durch Häufigkeit und Stärke von Lob oder Tadel oder durch hohe Leistungsanforderungen.

1965 wiesen die US-PSychologen Robert Rosenthal und Lenore F. Jacobson experimentell nach, dass einem Lehrer, dem suggeriert wird, dass einige Schüler besonders begabt sind und diese besonders hohes Leistungspotenzial hatten, diese von dem Lehrer unbewusst so gefördert werden, dass sie am Ende auch aufgrund größerer persönlicher Zuwendung, höherer Leistungsanforderungen, längerer Wartezeiten bei Antworten und häufigeren und verstärkten Lobes und Tadels faktisch ihre Leistungen steigerten. In Felduntersuchungen konnte inzwischen dutzendfach belegt werden, daß die Erwartungen eines Lehrers bezüglich der Leistungen bestimmter Schüler nicht nur seine Beurteilungen der Schüler (Urteilsfehler), sondern auch die tatsächlichen Leistungen beeinflussen. Dies gilt selbst dann, wenn die Schüler von den Erwartungen nichts wissen und der Lehrer glaubt, sich neutral zu verhalten. Die Beeinflussung des Schülerverhaltens wirkt dabei indirekt über ein positives emotionales Klima, das der Lehrer erzeugt, differenziertere Rückmeldungen, die Präsentation angemessener Lerninhalte und die Schaffung zusätzlicher Möglichkeiten für den Schüler, sich zu Wort zu melden.

Für einen Trainer bedeutet das im Umkehrschluss, je höher Deine Erwartungen und Dein Vertrauen in den Erfolg des Kunden, desto größer wird dieser ausfallen. Klingt einfach. Ist einfach. Und dutzendfach nachgewiesen.

Viel Erfolg mit Deinen Kunden und dem Pygmalion Effekt! 

Du hast eine Frage für die „Ask the Coach“ Kolumne, dann schick Sie via Email mit dem Betreff „Ask the Coach“ an training(at)keinfitnessstudio.de und mit etwas Glück wird Deine Frage für einen der kommenden Posts oder das kommende Buch ausgewählt.

Bild: Große Erwartungen führen zu großen Fortschritten…

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