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Gewichtheben – Die Geschichte

Es ist nahezu unmöglich zu bestimmten, wann der erste Wettkampf im Gewichtheben der Welt stattgefunden hat. Zeichnungen oder Schriften über Kraftwettkämpfe in der Form, dass die Athleten schwere Gewichte hoben, lassen sich schon im alten Griechenland, Ägypten und China finden. Das Gewichtheben wie wir es kennen hat sich als Sportart während des neunzehnten Jahrhunderts entwickelt. 1891 wurde der Deutsche Athletenverband (DAV) gegründet und am 28. März 1891 fanden die ersten Weltmeisterschaften im Gewichtheben in London statt. An den von der International Weightlifting Federation (IWF) ausgetragenen Wettkämpfen nahmen insgesamt sieben Gewichtheber aus insgesamt sechs Nationen teil. Gewichtsklassen gab es nicht, es gewann derjenige der am meisten Gewicht stemmen konnte. Die Technik spielte keine Rolle, einzige Regel war, dass die Füße durften nicht bewegt werden durften. Der Brite Edward Lawrence Levy gewann den Titel „Amateur Champion Weightlifter of the World” (dt. Amateurweltmeister im Gewichtheben).

Im Jahr 1896 wurde Gewichtheben für Männer olympisch und war eine von neun Sportarten, die bei den ersten Olympischen Spielen der Moderne in Athen vertreten waren. In zwei Wettbewerben wurde einarmig und beidarmig ohne Beschränkung des Körpergewichts gehoben. Später gab es dann eine ganze Reihe von Variationen. Wurde anfangs noch starre Hanteln verwendet, gab es eine Entwicklung mit der Erfindung der Scheibenhantel 1910 durch den Deutschen Karl Berg. So konnten an einer Stange variabel Gewichte in Scheibenform angebracht werden.

Gewichtheben für Männer war, bis auf drei Ausnahmen in den Jahren 1900, 1908 und 1912, immer Teil der Olympischen Spiele. Seit den 1980er Jahren fanden Gewichtheben-Meisterschaften bei den Frauen statt, erst seit dem Jahr 2000 und den Olympischen Spielen in Sydney ist Gewichtheben bei den Frauen olympisch.

Mehr Ordnung kam in das Gewichtheben ab 1920, als man fünf Gewichtsklassen einführte (Feder, Leicht, Mittel, Halbschwer und Schwer) und einen Dreikampf bestritt. Für diesen wurden die Leistungen aus einarmigem Reißen und Stoßen sowie aus beidarmigem Stoßen zusammengezählt. In Paris 1924 wurde in diesen fünf Gewichtsklassen ein Fünfkampf ausgetragen, für den die Leistungen aus beidarmigem Drücken (wie Stoßen, aber Beine und Füße dürfen nicht bewegt werden), Reißen und Stoßen sowie aus einarmigem Reißen und Stoßen addiert wurden. Ab Amsterdam 1928 kämpften die Athleten weiterhin in fünf Gewichtsklassen, aber nun in dem für viel Jahre üblichen olympischen Dreikampf. Dieser bestand aus beidarmigem Drücken, Reißen und Stoßen. Beim Reißen wird das Gewicht mit einem weiten Griff auf direktem Weg über den Kopf des Athleten in die sogenannte Hochstrecke gebracht (engl. Snatch). Beim Stoßen wird das Gewicht einmal mit einem engeren Griff „umgesetzt“, also auf den vorderen Schultern abgelegt und dann mittels „Ausstoßen“ in die Hochstrecke befördert (engl. Clean and Jerk). Das Drücken, dessen korrekter Ablauf nur schwer beurteilt werden konnte, da einige Athleten die Beine zur Unterstützung der Drückbewegung nahmen und sich sehr weit nach hinten lehnten und das deshalb auch sportmedizinisch umstritten war, wurde 1972 gestrichen. Offiziell begründet wurde der Verzicht auf das Drücken durch den internationalen Gewichtheber-Verband mit der Tatsache, dass die Leistungsentwicklung die Grenzen zwischen dem Drücken und dem Stoßen verwischt habe. Ab diesem Zeitpunkt bis heute wird das Ergebnis aus Reißen und Stoßen addiert und derjenige mit dem höchsten Gesamtgewicht in der jeweiligen Gewichtsklasse gewinnt.

Zwischenzeitlich existierten bei den Olympischen Spielen bis zu zehn Gewichtsklassen: Das Bantamgewicht kam 1948 hinzu, darauf folgten 1952 Mittelschwer, 1972 zweites Schwergewicht und Superschwergewicht und schließlich 1980 erstes Schwergewicht. Seit dem Jahr 1998 werden die Wettkämpfe bei den Männern in acht Gewichtsklassen (Fliegengewicht und zweites Schwergewicht sind weggefallen) und seit 01.01.2017 bei den Frauen ebenfalls in acht (zuvor sieben) Gewichtsklassen ausgetragen.

Die erfolgreichsten Nationen sind Russland/UDSSR und vor allem in der Neuzeit China. Bei den Frauen haben die Chinesinnen von Beginn an dominiert.

Pioniere des Sports sind unter anderem Pyrros Dimas, ein Albaner der 1991 nach Griechenland emigrierte. Dimas ist siebenfacher Welt- und dreifache Europameister und gewann insgesamt drei Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen. Mit dem Gewinn seiner vierten olympischen Medaille (Bronze, 2004 in Athen) ist er der bislang erfolgreichste Gewichtheber (3x Gold, 1x Bronze) und gemeinsam mit dem Deutschen Ronny Weller (1x Gold, 2x Silber, 1x Bronze) dem US-Amerikaner Norbert Schemansky (1x Gold, 1x Silber, 2x Bronze) und dem Bulgaren Nikolaj Pešalov, der später für Kroatien antrat (1x Gold, 1x Silber, 2x Bronze) Gewinner der meisten olympischen Medaillen im Gewichtheben. Sowohl Ronny Weller als auch Ingo Steinhöfel (Silber, 1988 in Seoul) traten fünf Mal für Deutschland bei den Olympischen Spielen an. Auch der ungarische Gewichtheber Imre Földi trat bei fünf Olympischen Spielen an.

Beim Gewichtheben der Frauen sind bisher die Chinesinnen Yanqing Chen and Chunhong Liu mit jeweils 2 Goldmedaillen am erfolgreichsten gewesen.

Der Russe Wassili Iwanowitsch Alexejew war einer der wenigen Gewichtheber, die durch ihren Sport weltweiten Bekanntheitsgrad erlangten. Er gewann 1972 und 1976 die olympische Goldmedaille im Superschwergewicht und errang zahlreiche Titel bei Welt- und Europameisterschaften. Alexejew stellte in dieser Zeit 80 Weltrekorde auf, was bis in die heutige Zeit unerreicht ist. Alexejew’s Trainer war Rudolf Pflugfelder, der heute in der Nähe von Kassel in Deutschland wohnt und den ich vor einigen Jahren besucht habe. Was eines der interessantes Gespräch über Training war, die ich je geführt habe. Rudolf Pflugfelder hat selbst die Olympische Goldmedaille gewonnen bevor er russischer Nationaltrainer wurde.

Äußerst erfolgreich war auch der Türke Naim Süleymanoglu, der mit dem Namen Naim Suleimanov in Bulgarien geboren wurde und im Alter von nur 14 Jahren seinen ersten Weltrekord aufstellte. Er floh aus Bulgarien in die Türkei und nannte sich nun Süleymanoglu. Aufgrund seiner Kraft und seiner geringen Körpergröße trägt er den Spitznamen „Hosentaschen-Herkules“, unter dem er in der Gewichtheberszene bekannt ist. Es gelang Süleymanoglu als zweiten Heber nach dem Bulgaren Stefan Topurow, das Dreifache des eigenen Körpergewichts zu stoßen. Er wurde zwischen 1988 und 1996 dreimal in Folge Olympiasieger im Federgewicht.

Als aktuell letzter Deutscher gewann der eingebürgerte Österreicher Matthias Steiner 2008 in Peking Gold im Superschwergewicht und ist damit seit Ronny Weller 1992 der erste deutsche Olympiasieger im Gewichtheben.

Übungen aus dem Gewichtheben haben sehr positive Effekte auf die Explosivkraft und die muskuläre Balance und werden deswegen weltweit von zahlreichen Sportarten als Teil ihres Trainings übernommen. Weitere Artikel dieser Serie rund um das Gewichtheben folgen in den kommenden Wochen.

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