YPSI – Wolfgang Unsoeld

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Gewichtheben – Die Systeme

Im Olympischen Gewichtheben der Neuzeit haben sich aufgrund geographischer, kultureller und sicherlich auch aufgrund der staatlichen Dopingkontrollen bedingter Unterschiede verschiedene Trainingssysteme entwickelt, mit denen sehr viele Erfolge produziert werden konnten. Am bekanntesten sind die drei folgenden Systeme:

Bulgarisches System

Die bulgarischen Athleten trainieren acht- bis zwölfmal am Tag. Insgesamt verwenden Sie ausschliesslich sechs Übungen: Reißen, Umsetzen & Stoßen, Umsetzen in den Stand, Reissen in den Stand, Kniebeugen und Frontkniebeugen – und nichts Anderes. Maximalversuche sind an der Tagesordnung.

Vorteile des bulgarischen Trainingssystems:

1. Gutes Training der Technik durch das häufige üben/wiederholen der Wettkampfübungen.

2. Entwicklung von hoher Schnelligkeit im Umgruppieren (dem Bereich zwischen maximaler Beschleunigung und Abbremsen der Hantel).

3. Ein Kraftüberschuss in den Beinen durch das häufige Kniebeugetraining.

Nachteile des bulgarischen Trainingssystems:

1. Hohe Verletzungsgefahr auf Grund der konstant hohen Belastung.

2. Im Verhältnis zu den Muskeln, die primär trainiert werden, haben die Athleten eine suboptimal ausgebildete „Sekundärmuskulatur“, wie die Rotatorenmanschette, Rhomboiden, Beinbizeps usw. Diese fehlende muskuläre Balance war einer der beiden Hauptgründe warum sich kaum ein Athlet mehr als einen Olympischen Zyklus an der Weltspitze halten konnte.

Zusammengefasst kann man sagen, dass die Regeneration und das allgemeine Krafttraining zu kurz kommen. Dieses System hat davon profitiert, dass zu Beginn dieser Ära Doping noch legal war. Die optimierte Regeneration dadurch war sicher einer der Faktoren, die die großen Erfolge dieses System möglich machten.

Ein sehr erfolgreicher Trainier unter dem bulgarischen System war der kürzlich verstorbene Ivan Abadjiev. Viele Athleten die nach dem bulgarischen System trainiert haben, haben große Erfolge gefeiert. Einige der bekanntesten Athleten sind Naim Süleymanoglu, Antonio Krastev, Stefan Botev und Pyrros Dimas.

Russisches System

Beim russischen System wird ebenfalls mehrmals am Tag trainiert, hier wird der Fokus im Vergleich zum bulgarischen System mehr auf „Assistenzübungen“ und „Teilwettkampfübungen“ gelegt. Im russischen System werden auch Kreuzheben, Bankdrücken und Nackendrücken trainiert, was man u.a. bei Dmitry Klokov oder Dmitry Berestov auf YouTube-Videos beobachten kann. Ein Trainer, der unter dem russischen System sehr erfolgreich war ist Rudolf Pflugfelder, der unter anderem David Rigert trainiert hat.

Mit dem Russisches System haben sehr viele erfolgreiche Athleten trainiert. Einige der bekanntesten sind Dmitry Klokov, David Rigert und Wassili Iwanowitsch Alexejew.

Deutsches System

In Deutschland werden bei den Profis meistens 8 Einheiten in der Woche trainiert. In der Regel wird Montag, Mittwoch und Freitag wird zweimal trainiert, Dienstag und Samstag einmal und Donnerstag und Sonntag ist frei oder es werden regenerative Einheiten gemacht (Gymnastik, Schwimmen, Sauna o.ä.)

Es wird nach einer Blockperiodisierung trainiert. Eine Periode beginnt mit allgemeinem Krafttraining und relativ hohem Volumen und endet mit wenig allgemeinem Krafttraining, viel Wettkampfübungen bzw. Teilwettkampfübungen, wenig Volumen und hoher Intensität.

Es werden immer wieder Entlastungswochen im Training eingebaut, dies wird normalerweise alle drei Wochen in der Trainingsplanung berücksichtigt. In der Entlastungswoche wird das Gesamtvolumen und die Gesamtintensität leicht reduziert.

Erfolgreiche Medaillengewinner bei Olympia, die nach dem Deutschen System trainiert haben sind z.B. Mathias Steiner, Manfred Nerlinger, Marc Huster und Ronny Weller.

Neben Bulgarien, Russland und Deutschland gibt es auch andere große Gewichtheber-Nationen Nationen wie z.B. China oder den Iran. Nicht jedes Land nutzt nur ein System, sondern verschiedene Systeme. Die Systeme sind so unterschiedlich wie die Techniken. Beispielsweise starten die russischen Athleten generell mit mehr Schultervorlage und brauchen dadurch einen stärkeren Rücken, daher haben Assistenzübungen wie Kreuzheben im Russischen System einen höheren Stellenwert als bei anderen Systemen. Welche Technik für welchen Athleten am besten funktioniert, ist primär abhängig von dessen anatomischen Voraussetzungen. Es gibt nicht die eine perfekte Technik für alle unterschiedlichen Anatomien.

Wenn du Interesse hast das Gewichtheben passend für deine individuelle Anatomie zu erlernen und in dein Training zu integrieren, lerne die Gewichtheber Übungen – Reißen, Umsetzen & Stoßen und ihre Verwandten Schritt für Schritt beim YPSI Gewichtheben Workshop

Zu einem Artikel über die Geschichte des Gewichtheben klick hier

Bild: Der russische Gewichtheber Anatoly Pisarenko in der obersten Position eines Snatch Grip High Pulls. Einem der herausragendsten Fotos des Gewichtheben aller Zeiten (Foto:Bruce Klemens)

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