YPSI – Wolfgang Unsoeld

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4 Gründe, warum Training auf Vibrationsplatten reine Zeitverschwendung ist

Training auf Vibrationsplatten ist einer der verbreitetsten Trends der letzten 10 Jahren. Regelmässig werde ich gefragt was ich davon halte

Die kurze Antwort ist:

Wenn Training auf einer Vibrationsplatte Erfolge erzielen würde, würde eine Vibrationsplatte im YPSI stehen. Wir haben jedoch keine Vibrationsplatte im YPSI.

Die ausführliche Antwort ist:

1. Mangelnder Widerstand
Der Hauptfaktor, der den Trainingseffekt bestimmt, ist die Spannung auf der Muskulatur während des Trainings. Spannung wird durch Widerstand generiert. Dieser Widerstand ist bei Körpergewichtsübungen gering. Aus diesem Grund ist externer Widerstand wie z.B. durch Lang- und Kurzhanteln unverzichtbar für schnelle Trainingsfortschritte. Spannung – in Volumen und Höhe (Intensität) – ist die entscheidende Variable, die Einfluss auf neurale Anpassung, Hypertrophie, Maximal- und Explosivkraftsteigerung sowie Fettabbau hat. Fazit: Ohne Spannung kein maximaler Trainingseffekt.

2. Nicht stabilisierbare Instabilität
Eine der Grundlagen um Stabilität zu trainieren ist die Fähigkeit instabilen Untergrund zu stabilisieren. Die Universität Frankfurt/Main um Prof. Dr. Dietmar Schmidtbleicher hat zu diesem Thema ausgezeichnete Studien betrieben, die ua. gezeigt haben, dass die Frequenz mit der die handelsüblichen Vibrationsplatten vibrieren, viel zu schnell für das menschliche Nervensystem ist. Das bedeutet das Nervensystem und damit die Muskulatur sind nicht im Stande auf den Vibrationsreiz zu reagieren und den instabilen Untergrund zu stabilisieren. Damit ist der Trainingseffekt nichtig. Die Universität Frankfurt/Main hat ebenfalls eine Studie aus dem Profi-Fussball veröffentlicht, die zeigte, dass sich die Wahrscheinlichkeit, die selbe Verletzung zum wiederholten Mal zuziehen verdreifacht, wenn das Reha-Training auf instabilem Untergrund durchgeführt wurde.

3. Alltagsrelevante Stabilität
Stabilität im Alltag und im Sport ist entscheidend um Verletzungen vorzubeugen und Trainingsleistung zu maximieren. Je höher die Stabilität desto höher der Poweroutput – Du kannst keine Kanone von einem Kanu abfeuern – und desto geringer Abnutzung an Faszie und Muskulatur. 
Grundsätzlich wird Stabilität in 2 Kategorien unterteilt, Stabilität bei niedrigen Lasten und Stabilität bei hohen Lasten. Einbeinig auf einer Vibrationsplatte zu stehen, trainiert Stabilität mit einer geringer Last, dem Körpergewicht. Wenn man lossprintet, aus vollem Lauf abbremst oder einfach nur joggen geht (Belastung pro Bein pro Schritt das 4-6fache des Körpergewichts) wirken hohe bis sehr hohe Kräfte/Lasten auf den Körper. Auf einem Bein stehend, das Knie stabilisieren zu können, hat nichts damit zu tun unter hoher sportlicher Belastung, sprinten, rennen, abbremsen und Richtungswechsel, das Knie zu stabilisieren. Das ist wie wenn Porsche die Bremsen des GT3 bei Schrittgeschwindigkeit testet, um dann darauf zu schliessen, welche Leistung sie bringen, wenn das Auto auf der Rennstrecke vor der Kurve in 3s von 180km/h auf 50km/h herruntergebremst werden muss. 
Fazit: Stabilität bei hohen Lasten muss mit hohen Lasten trainiert werden. Klassisches Kraftraining mit Lang- und Kurzhanteln und progressivem Widerstand ist dafür die effizienteste Methode.

4. Fehlendes Progressionspotential
Im Training wächst man an steigender Belastung. Grundlage erfolgreichen Krafttrainings ist progressiver Widerstand. Lang- und Kurzhanteln sind ausgezeichnete Trainingsgeräte um progressiven Widerstand zu ermöglichen. Im YPSI haben ich Hantelscheiben von 0,5kg bis 25kg, ein ideales Tool um zu garantieren, dass auch die kleinste Schritte möglich sind. Beispiel: Wenn man nur 1kg mehr pro Woche auf die Hantel packt, bewegt am Ende eines Jahres 52kg mehr. Eine beachtliche Leistung.

Die ersten Überlieferungen von Krafttraining mit progressivem Widerstand stammen aus der Antike, vom erfolgreichstes olympischen Athleten dieser Zeit, Milon von Kroton

„Milon nahm ein gerade zur Welt gebrachtes Kalb auf den Arm und trug es mehrmals um den elterlichen Hof. Obwohl ihm das anfangs sehr viel Mühe machte, hielt er durch und wiederholte diese ,Rundläufe‘ täglich. Im Laufe der Zeit wuchs das Kalb und Milon wuchs mit ihm, so dass er nach einem Jahr progressiver Belastungssteigerung stark genug war, um ein ausgewachsenes Rind rund um das Anwesen seiner Eltern zu tragen.“ 

Fazit: Training auf Vibrationsplatten ist ein Trend – und wie die meisten Trends reine Zeitverschwendung.

Lösung: Erfolgsorientiertes Krafttraining mit progressivem Widerstand ist die deutlich effizientere Lösung für maximale Fortschritte beim Training von Stabilität, Muskelwachstum, Maximal- und Explosivkraft sowie Fettabbau als Training auf Vibrationsplatten.

Anekdote am Rand: Als ich vor 5 Jahren mein Studio eröffnet habe, hatte ich meinen Kunden, dessen Firma eine Kooperation mit dem grössten und bekanntesten Hersteller für Vibrationsplatten hatte. Er bot mir an, dass ich die Vibrationsplatte, die in seinem Büro steht, in mein neues Studio stellen könnte, da er nicht wirklich Verwendung dafür hatte. Ich hab mich über die Geste gefreut, sie jedoch dankend abgelehnt. Den Platz konnte ich für sinnvolleres Equipment verwenden. Wie die drei Power Racks für Kniebeugen und zwei Beincurl-Maschinen, die wir im YPSI haben. Und die ausgezeichnet für die Optimierung der Kniestabilität sind.

Bild: YPSI Athlet Richard Adjei, VizeOlympiasieger und Weltmeister im 2er Bob bei LH Kniebeugen mit erhöhten Fersen im YPSI in der Offseason 2015.

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