Ask the Coach #49 - Kann man Krafttraining individuell basierend auf die Neurotransmitter anpassen?

Ask the Coach #49 - Kann man Krafttraining individuell basierend auf die Neurotransmitter anpassen?

„Ask the Coach“ ist die Kolumne in der Wolfgang Unsöld Eure Fragen zu Training & Ernährung beantwortet. Das gleichnamige Buch ist im Riva Verlag erschienen und direkt hier erhältlich. 

Frage: Hallo Wolfgang, mir hat jemand erklärt das man das Krafttraining am Besten auf den Neurotransmittern anpassen sollte um den meisten Fortschritt zu machen. Machst Du was? Was hältst Du davon?

WU: Das ist eine sehr gute Frage und ein Thema, das oftmals missverstanden wird.

Grundsätzlich zum Thema Neurotransmitter, dieses sind Stoffe, die für die Übertragung von Informationen im Nervensystem verantwortlich sind.

Es gibt verschiedene Neurotransmitter, die unterschiedliche Aufgaben übernehmen und auch grundsätzlich verschiedene Effekte haben.

Die vier wichtigsten primären Neurotransmitter sind: 

  • Dopamin
  • Acetylcholin
  • GABA
  • Serotonin


Diese einzelnen Neurotransmitter sind jeweils mit verschiedenen Eigenschaften assoziiert. 

So ist zum Beispiel Serotonin mit der Entspannung assoziiert

Und Dopamin mit Motivation und Antrieb.

Da Krafttraining, primär ein Zusammenspiel aus Nervensystem und Muskulatur ist und Neurotransmitter einen großen Effekt auf das Nervensystem haben, da sie ein Teil dessen sind und in erster Linie für die Kommunikation zuständig sind, spielen Neurotransmitter natürlich eine Rolle beim Krafttraining. Und genabgenommen bei jeder Form von Training.

Es ist jedoch leider so das ein solches Thema wie Neurotransmitter, das für viele neu ist, schnell deutlich mehr Bedeutung zugeordnet wird, als es eigentlich verdient.

Der Fokus hier liegt auf: deutlich mehr

Insbesondere im Kontext von Krafttraining spielen sehr viele Faktoren bei der optimalen Trainingsplanung, dem Design einzelner Trainingsprogramme sowie dem Aufbau verschiedener Trainingsprogramme aufeinander, der Periodisierung, eine Rolle.

Ein wichtiger Faktor ist definitiv der individuelle Status einer Person.

Wie stark ist diese Person?

Wie ist aktuell die muskuläre Balance?

Wie ist die Work Capacity?

Wie effektiv ist die aktuelle Regeneration?

uvm.

Und dann spielt natürlich ebenfalls noch das Ziel eine entscheidende Rolle.

Ob jemand für Maximalkraft oder funktionelle Hypertrophie oder für Kraftausdauer trainiert, ist etwas das einen sehr großen Einfluss auf das Training, die Auswahl der einzelnen Trainingsparameter sowie Split und Frequenz hat.

Neben diesen Faktoren ist ebenfalls das individuelle Neurotransmitter Profil, ein Faktor, den ich in der Erstellung von Programmen und dem Aufbau von Programmen aufeinander vor allem mit fortgeschrittenen Trainierenden beachte.

Ein individuelles Neurotransmitter Profil bedeutet das verschiedene Menschen unterschiedlich hohe Level an Neurotransmitter haben, die vor allem auf enzymatischen Differenzen im Stoffwechsel dieser Neurotransmitter basieren.

Das bedeutet, dass eine bestimmte Person einen wesentlich höheren durchschnittlichen Dopaminspiegel haben kann als eine andere Person.

Und basierend darauf ein wesentlich höheres Maß an Motivation und Drive.

Gleichzeitig bedeutet ein individuelles Profil jedoch auch, dass eine bestimmte Person ein Defizit an einzelnen Neurotransmitter haben kann.

So äußert sich zum Beispiel ein Serotonindefizit darin, dass jemand Probleme damit hat zu entspannen, insbesondere in den letzten Stunden eines Tages.

Dies hat direkt und indirekt einen Effekt auf die Trainingsplanung und muss in einem fortgeschrittenen Szenario beachtet werden, um optimal Trainingsprogramme zu schreiben und diese aufeinander aufzubauen.

Das bedeutet:

Ja, Neurotransmitter haben eine Einfluss auf das Programm Design und sind essenzielle Bestandteil meiner Arbeit als Coach.

Sie sind jedoch nur einer von vielen Faktoren, und beim durchschnittlichen trainieren keiner der Hauptaktoren.

Je fortgeschrittener jemand wird und desto höher das Leistungsniveau ist, desto entscheidender ist es Neurotransmitter, als einen weiteren wichtigen Faktor in die Trainingsplanung mit aufzunehmen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass wir uns an einzelnen Neurotransmitter oder gar an bestimmten Typen orientieren, sondern es geht in erster Linie darum, basierend auf den Verhältnissen der Neurotransmitter zueinander und absolut zu entscheiden, wie viel Intensität, Volumen und Variation jemand zum einen benötigt und zum anderen verträgt, umso bessere Programme zu zu schreiben, die konstanten Fortschritt ermöglichen.

Und das ist ja worum es am Ende geht, im Training konstant Fortschritt zu machen, mit viel Begeisterung fürs Training und Trainingsprogramm, die jemanden konstant aufs Neue fordern.

In diesem Sinne, viel Erfolg beim Training!

Mehr zu den einzelnen Neurotransmitter findest Du auch in den jeweiligen Artikel hier:

Dopamin – Der Neurotransmitter für Motivation & Antrieb

Acetylcholin – Der Neurotransmitter für Speed & Muskelkontraktion

GABA – Der Neurotransmitter für Stabilität & Gleichgewicht

Serotonin – Der Neurotransmitter für Harmonie & Wohlbefinden

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