YPSI – Wolfgang Unsoeld

From the Blog

Warum optimale Nackenextension einer der meist unterschätzten Faktoren für optimale Mobilität ist

Eine häufige Beobachtung bei Kunden ist die Forward Head Posture (FHP, dt. vorgeschobene Kopfposition). Eine neutrale Kopfposition ist sehr wichtig für jeden Kunden, besonders wenn es darum geht zu trainieren. Um eine Übung richtig zu machen, ist es wichtig, dass seine oder ihre Ausführung gut ist. Und um eine gute Übungsausführung zu haben, muss man während der Übung eine gute Körperhaltung haben. Der beste Weg um dies zu erreichen ist es, die statische Körperhaltung (stehend/ sitzend) zu korrigieren. Dann führt man die Übung aus – was eine dynamische Körperhaltung ist.

Häufiger Befund bei der FHP ist das sogenannte Upper Cross Syndrome = schwache/ gehemmte Nackenflexoren.

Folgende Muskeln sind wahrscheinlich überaktiv oder haben Einschränkungen:

– Sternocleidomastoideus Muskel

– Scaleni Muskeln

– Levator Scapulae Muskel

– Suboccipitale Muskeln

Die Scaleni Muskeln und die suboccipitalen Muskeln, welche durch die FHP an einen kleineren Bewegungsbereich mit einem hohen Tonus adaptieren, werden die tiefen Nackenflexoren hemmen.

Die Scaleni Muskeln setzen an Rippe 1 und Rippe 2 an und eine sehr verbreitete Beobachtung ist es, dass Rippe 1 superior (weiter oben gelegen) ist und sich nicht nach inferior (in die unten gelegene Richtung) bewegen kann und so können durch die erste Rippe Symptome in den Armen/ fingern erzeugt und die Bewegung von Nacken und Schultern eingeschränkt werden. Die suboccipitalen Muskeln adaptieren daran indem sie kürzer werden.

Es gibt mittlerweile Studien die nachweisen, dass einer der suboccipitalen Musklen (Rectus capitis posterior minor) eine Verbindung mit der Dura (der Umhüllung des Rückenmarks). Es gibt zwei mögliche Mechanismen, die neurologische Dysfunktion bewirken können:

1. Direkte mechanischer Schädigung des Nervs des Rückenmarks

2. Kollaps der kleinen Venen nahe des Rückenmarks/ Verstopfung der kleinen Venen

Wenn man sich den Querschnitt des Rückenmarks auf Höhe des ersten Wirbels (Atlas) ansieht, kann man zwei große Nervenbahnen erkennen – dies sind der Tractus spinocerebellaris und der Tractus spinothalamicus.

Das erste System kann durch Traktion und/oder Kompression des Ligamentum denticulatum beeinflusst werden. In diesem System werden die Signale versendet, die den Tonus des Muskels bestimmen und welche ebenfalls Informationen über die Gelenkstellung (Propriozeption) senden.

In den äußeren Fasern dieses Tractus sind die “Kabel“, die zum unteren Körperteil verlaufen, zu Becken, Hüfte, Beinen und Füßen. Wenn man eine Dysfunktion und/oder Dysbalance in der oberen Halswirbelregion hat kann dies Symptome in den Beinen verursachen.

Das zweite System, der Tractus spinothalamicus, wird ebenfalls von der Position/ Haltung des Halses beeinflusst. In diesem Tractus sind die gesendeten Signale für Nozizeption/ Temperatur. Dies ist eine mögliche Erklärung für Symptome entlang den Beinen ohne dass es irgendwelche Befunde von Lendenwirbelsäule/ Hüfte/ oder Beinen gibt. Das kann durch eine Behandlung der oberen Halswirbelsäulen Region und Haltung des Halses potentiell korrigiert werden.

Einige Effekte der Forward Head Posture sind:

– Traktion des Nervus suprascapularis (dieser Nerv sorgt für die Innervation des Supraspinatus und Infraspinatus Muskels)

– üblicher Weise führt eine Traktion eines peripheren Nervs zu einer Hemmung der Muskeln die durch diesen peripheren Nerv innerviert werden.

Ein “Witwenbuckel” ist ein Zeichen einer chronischen FHP. Dies sorgt für eine Dysfunktion in der Verbindung zwischen Hals- und Brustwirbelsäule. Die Bänder zwischen den Wirbeln und zu einem gewissen Grad der Kapseln der Brustwirbel werden belastet. Mit der Anspannung der Bänder geht oftmals eine Anspannung und ein erhöhter Tonus der oberen Halswirbelsäulenextensoren einher.

Für jede 2,5 cm der FHP erhöht sich die Kompression in den tieferen Halswirbeln um das Äquivalent eines zusätzlichen Kopfes. Berücksichtigt man, dass das Gewicht des Kopfes ungefähr 7% des Körpergewichtes (KG) ausmacht und ein nach vorne rotierter Schultergürtel etwa 14% des KG, kann eine Gesamtsumme von 21% des KG die unteren Halswirbel und die obere Brustwirbelsäule komprimieren.

Dies gilt es zu beachten, wenn man Rumänisches Kreuzheben, olympisches Reißen, Kreuzheben usw. ausführt, da man 21% des Körpergewichtes und ein externes Gewicht an seinem Hals und den oberen Brustwirbeln “hängen” hat.

Dies ist besonders wichtig für Frauen, da Frauen gewöhnlich nur 60% der Kraft der Nackenextensoren eines Mannes haben.

Ebenfalls kann es zu einer Einklemmung des größeren suboccipitalen Nervs weit oben in der suboccipitalen Region kommen. Dies macht sich oftmals als Kopfschmerz bemerkbar.

Dysfunktion von Th1-Th4 (oberer Brustwirbelsäule). In dieser Region ist das sympathische Nervensystem beheimatet, welches den Tonus der Gefäße für Nacken, Schultern, Arme und Hände kontrolliert. Dies ist sehr wichtig für den Austausch von Nahrungs-Metaboliten etc. oder bei Kopfschmerzen, wo oftmals der Tonus der Gefäße ein möglicher Hintergrund der Symptome ist.

This can also be important in acute injuries with swelling to normalize the swelling by treating the nervous system.

Besuche das YPSI Myorelease for Personaltrainers Seminar in Brüssel, Belgien im März 2017, um zu lernen wie man die verspannten Muskeln lockert und die schwachen Muskeln kräftigt um die FHP zu verbessern. Dort wirst Du sowohl die Techniken dafür lernen als auch weitere Techniken zur Optimierung von Mobilität, Stabilität und Flexibilität und wie man YPSI Tool anwendet. 

Bild: Hervorragendes Before’n’After der Schweizer Personaltrainerin Nadja Reinmann von der Verbesserung der Nackenextension nach einer Behandlung durch Dr. Peter Lundgren.

6 comments

  1. Chris - 3. Januar 2017 11:53

    Sollte eine optimale Nackenflexion nicht „einer der meist unterschätzten Faktoren für optimale Mobilität“ sein?
    Durch die FHP überwiegt die Nackenextension ja bereits. Der Mangel liegt an der Flexionsfähigkeit der HWS.

    Gruß
    Chris

    • Wolfgang Unsöld - 3. Januar 2017 14:25

      Hallo Chris,

      Flexion ist nicht aktiv limitierend sondern passiv limitierend. Extension ist aktiv limitiert, siehe Foto oben. Flexion limitiert Extension. Flexion = Kinn zur Brust. Extension = Kopf in den Nacken. D.h. Extension ist limitiert (in Range).

      Macht Sinn?

      W

      • Chris - 3. Januar 2017 17:44

        Ok, eine maximale Nackenextension wird passiv durch die Halsflexoren gehemmt. Für mehr Nackenextension müsste der Zug der Flexoren verringert werden. Aber das Problem der FHP ist ja eine relativ zu starke Extension der HWS. Es wird mehr Flexion benötigt, um eine physiologische Gelenkposition wiederherzustellen.

        Weitere Kräftigung der Extensoren verschlimmert die FHP nur weiter.

        Gruß
        Chris

        • Wolfgang Unsöld - 5. Januar 2017 20:51

          Hallo Chris,

          das ist teilweise on point. Kommentare wie folgt

          „eine maximale Nackenextension wird passiv durch die Halsflexoren gehemmt“ -> Exakt

          „Für mehr Nackenextension müsste der Zug der Flexoren verringert werden“ -> Exakt

          „das Problem der FHP ist ja eine relativ zu starke Extension der HWS“-> Nicht richtig. Starke HWS-Extensoren wären eine ausgezeichnete Grundlage für Oberkörperkraft, jedoch sehr sehr selten der Fall, insbesondere ohne spezifisches progressives Training. Extension ist meist inhibitiert in Kraft. Und fast immer limitiert in Radius. Optimale Extension in Form von Radius ist entscheidend. Gepaart mit starken Nackenextensoren aus Sicht der Kraft das Rezept für einen starken, mobilen und leistungsfähigen Oberkörper.

          „Es wird mehr Flexion benötigt, um eine physiologische Gelenkposition wiederherzustellen“ -> Exakt, jedoch mehr Flexion primär aus Sicht von Bewegungsradius, weniger aus Sicht von Kraft.

          W

  2. Vivien Hertz - 13. Januar 2017 16:26

    Sehr guter Artikel. Darf ich diesen in meinem Block Teilen? Natürlich unter eurem Namen! 🙂 Ich hoffe ich schaffe es dieses Jahr zu ein paar Seminaren! LG

    • Wolfgang Unsöld - 14. Januar 2017 17:00

      Hallo Vivien,

      Du darfst den Artikel gerne unter Angabe der Quelle auf Deinem Blog teilen. Vielen Dank für die Anfrage!

      YPSI Team

Have your say